Ausgelesen: Clean C++

Auf jeden Fall lesenswert. Das Buch enthält nichts Neues, das ist auch gar nicht der Anspruch des Autors. Es ist ein komprimierter Schnelldurchlauf durch alles, was im Bereich prozeduraler, objektorientierter und funktionaler Programmierung mit C++ momentan für nützlich und sinnvoll gehalten wird. Eine sehr gute Übersicht für erfahrene Leute, gut geeignet zum Rekapitulieren.

Ausgelesen: Mastering Bitcoin

Eigentlich habe ich mir das Buch zugelegt mit den Gedanken: wenn ich die Technik verstehe, kann ich auch den Hype verstehen. Das hat schon mal gar nicht funktioniert, es ist eher das Gegenteil eingetreten. Davon ab hat das Buch meine Anforderungen, soweit sie Bitcoin betreffen, erfuellt. Der Untertitel “Programming the open blockchain” hat mich aber eher etwas enttaeuscht zurueckgelassen, hier haette ich mir mehr erwartet. Genau an dieser Stelle scheint auch das grundsaetzliche Problem zu liegen: alle reden von Blockchain, jeder kennt jemanden der schon irgendwas mit Blockchain probiert, keiner will da zurueckbleiben. Aber auf die (auf der Hand liegenden) Fragen: welches Problem soll Blockchain loesen, welchen Mehrwert versprecht ihr euch oder euren Kunden davon? kann mir niemand eine (befriedigende) Antwort geben. Wie auch immer, ich bin bereit, sobald jemand das Problem gefunden hat, kann er zu mir kommen, ich habe die Loesung.

Uebrigens kann man das Buch bei github auch gut online lesen, das macht sogar deutlich mehr Spass als die gedruckte Version wegen der Links zum Source-Code, den Beispielen zum Ausprobieren und nicht zuletzt den Links zu den Bitcoin-Anwendungen im Netz.

Haut die Programmierer!

Im aktuellen Editorial zieht die c’t ordentlich über die Programmierer her. Wegen dem schludrigen Code, der vielen Sicherheitslücken, zahlreicher Programmierfehler. Die Programmierer sollen sich endlich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden.

Wohlgemerkt die Programmierer. Nicht die Eigentümer, Geschäftsführer und Manager all dieser Firmen, die solchen Müll produzieren. Sondern die Programmierer, also die, welche in der Hackordnung ganz unten stehen. Die, die in der schönen neuen Scrum-Welt von einem Sprint zum nächsten laufen, deren einzige Aufgabe es ist, einen backlog abzuarbeiten. Die, die wenig bis gar keinen Einfluss haben auf Produktentscheidungen, meist noch nicht mal auf Architektur- oder Designentscheidungen, die das fertige Produkt oft gar nicht kennen.

Was heißt denn gesellschaftliche Verantwortung? Asyl in Moskau, welches ich persönlich jetzt nicht für besonders erstrebenswert halte, bekommt nicht jeder. Wie erklärt ein Programmierer im Vorstellungsgespräch, warum ihn seine letzte Firma trotz allgegenwärtigen Fachkräftemangels rausgeworfen hat? Vielleicht gar jemand jenseits der 40 in dieser vom Jugendwahn zerfressenen Branche? Finanziert gesellschaftliche Verantwortung mein Leben?

Wer stellt denn solche Forderungen auf? Ein Journalist einer Computerzeitschrift, die eine Artikelserie unter dem Titel “Vorsicht, Kunde” pflegt. Unter jedem zweiten Artikel dieser Serie müsste in dicken fetten roten Lettern stehen: Kauft nicht bei diesem Anbieter! Steht es aber nicht, steht es nie. So sehr verärgern will man potentielle Anzeigenkunden denn doch nicht. Da warnt die eine Ausgabe vor der Datensammelwut von Windows 10, die nächste Ausgaben beschäftigen sich dann ausführlich damit, wie man Windows 10 am besten an seine Bedürfnisse anpasst. He Journalist, was ist denn mit deiner gesellschaftlichen Verantwortung?

Edward Snowden hat sein Leben ruiniert, Mark Zuckerberg ist Milliardär. Und in Hannover sitzt ein Journalist warm und sicher im schützenden Elfenbeinturm eines ehrenwerten Verlages und träumt von einer besseren Welt.